Trauagende

 

Agende (Ablauf) des Traugottesdienstes

ESG Duisburg-Essen, Pfarrerin Dr. Vera v. der Osten Sacken

 

Vorweg

 

Zuerst: Freut Euch auf Eure kirchliche Trauung. Das wird ein toller Tag voller Segen werden. Und denkt dabei praktisch. Z.B. solltet Ihr ein Faltblatt herstellen und verteilen, aus dem alle Anwesenden den Ablauf des Gottesdienstes und die Texte von Glaubensbekenntnis, Vater Unser und Liedern entnehmen können.

Ihr habt verschiedene Möglichkeiten, um Freunde oder Verwandte besonders am Gottesdienst zu beteiligen. Bitte stimmt das mit mir ab (vera.osten-sacken@ekir.de). Gern sende ich Euch oder anderen Beteiligten alle wichtigen Texte per Email zu.

Selbstverständlich führe ich Euch durch alle Abläufe. Plant trotzdem nicht zu viel oder zu kompliziert. Ihr – und auch Eure mitwirkenden Freunde oder Verwandten – stehen im Zentrum der Aufmerksamkeit. Ihr alle werdet aufgeregt sein. Besonders Ihr selbst sollt diesen Gottesdienst aber genießen. Das ist leichter, wenn Eure Gedanken nicht darum kreisen, ob Ihr auch alles richtig macht. Wenn Ihr längere Texte sprechen wollt (z.B. beim Trauversprechen), schreibt Euch die Worte auf, damit Ihr sie notfalls ablesen könnt. Erfahrungsgemäß beruhigt Euch dieser „Spicker“ genau in dem Maße, dass Ihr ihn nicht brauchen werdet. Und auch hierbei gilt: Der Sinn ist wichtig, nur ganz selten kommt es auf den exakten Wortlaut an. 

Bitte lasst während des Gottesdienstes gar nicht oder nur mit dezentem Aufwand fotografieren. Das ist Euer ganz besonderer Moment, der sollte nicht von klickenden Kameras und umherlaufenden Fotograf:innen gestört werden. Gern können wir nach dem Gottesdienst Szenen für Eure Erinnerungsbilder nachstellen. Wenn Ihr wollt, sage ich das zu Beginn des Gottesdienstes an.

Am Ausgang wird eine Kollekte gesammelt. Sie ist für die ESG und soll für unsere Projekte und Aktionen verwendet werden, z.B. für Fahrten mit Studierenden, das Essen bei den ESG-Abenden, Kerzen für die Campuskapelle etc.

Vor allem: Freut Euch auf Euren Traugottesdienst. Dies ist Eure ganz besondere Zeit, in der Ihr und Eure Liebe gesegnet werden sollen.

 

Ablauf des Gottesdienstes

 

Gemeinsamer Einzug mit Musik

Ihr und alle Mitwirkenden oder die gesamte Gemeinde wird von mir an der Kirchentür bzw. vor dem Feiersaal abgeholt. Wenn die Musik einsetzt, gehe ich mit Euch und den Mitwirkenden voran und wir ziehen gemeinsam in den Kirchenraum ein.

Hier wird häufig gefragt, ob der Brautvater die Braut führen darf. Grundsätzlich dürfen sich die Eheleute beim Einzug von Verwandten führen lassen. Vielen Paaren ist aber nicht bewusst, was dieser alte Brauch des „Brautführens“ bedeutet, nämlich das die Frau von der Vormundschaft ihres Vaters in die Vormundschaft ihres Ehemannes übergeben werden sollte. Um dieses reichlich patriarchalische Signal in eine moderne liebevolle Geste umzuwidmen, schlage ich vor, dass auch die Bräutigamsmutter den Bräutigam führt – oder die Brautmutter die Braut und der Bräutigamsvater den Bräutigam, bei gleichgeschlechtlichen Paaren evtl. die Eltern des jeweils anderes Geschlechtes oder eine andere möglichst ausgewogene Kombination – und dass auch die beiden anderen Eltern des Paares miteinziehen. So begleiten die Eltern des Ehepaares ihre Kinder in einen neuen Lebensabschnitt bzw. bei der Segnung ihrer Ehe und Liebe.

 

Pastorin: Liturgischer Gruß und Begrüßung der Gemeinde

 

Lied/Musik/anderer künstlerischer Beitrag

Klassisch ist: Die Gemeinde singt ein Lob- oder Danklied. Gute Alternativen können sein: Freunde oder Verwandte des Ehepaares tragen ein Musikstück vor, Eure Musik wird eingespielt oder wir machen eine musikalische Aktion, in der wir gemeinsam ein Lied lernen etc. Oder es gibt ein Gedicht, eine kurze Schauspielszene oder einen anderen künstlerischen Beitrag, der gut zum Auftakt Eures Traugottesdienstes passt.

 

Pastorin: Psalm oder Eingangsgebet

Die Pastorin spricht ein Gebet oder betet einen Psalm im Wechsel mit der Gemeinde. Wenn Ihr einen Psalm möchtet, sollte der Text auf ein Faltblatt, das alle Beteiligten bekommen oder auf ihren Plätzen finden.

 

Lied/Musik/anderer künstlerischer Beitrag

Nun sind wir mitten drin. Was wir hier singen oder tun, soll Gott darum bitten, bei uns zu sein und unsere Gebete und Gedanken zu hören.

 

[ggf. Taufe eines Ehepartners]

 

Pastorin: Trautext und Predigt

Klassisch: Die Pastorin verliest den Trautext (Trauspruch) des Ehepaares und legt ihn in einer Predigt aus. Coole Alternativen sind z.B.: Mehrere Leute predigen dialogisch oder machen ein Anspiel. Oder es gibt einen poetischen Dialog zwischen Text und Musik. Oder wir bauen Bewegung oder Bodypercussion ein. Es kann auch die ganze Gemeinde predigen, z.B. indem wir (= alle, die wollen) unsere Assoziationen zum Trautext und was uns an guten Wünschen für das Paar einfällt in den Raum rufen oder nacheinander laut aussprechen und vielleicht dabei Blumen in einer großen Vase sammeln oder Kerzen anzünden oder andere schöne Symbolgesten machen. Gern kann ich solche Formen anleiten, damit es nur so viel Chaos gibt, wie Euch noch angenehm ist.

 

Pastorin und Gemeinde: Glaubensbekenntnis

Falls es eine Taufe gibt, wird das Glaubensbekenntnis im Rahmen der Taufe gesprochen, sonst an dieser Stelle. Alle Anwesenden (, die das können) stehen auf und bekennen gemeinsam mit mir ihren christlichen Glauben. Wer nicht mitsprechen möchte, muss das nicht. Nur demonstratives Sitzenbleiben ist ein echter Stimmungskiller. Der Text des Glaubensbekenntnisses sollte auf Eurem Faltblatt stehen, weil es viele schöne Varianten davon gibt, die wahrscheinlich nicht alle Anwesenden auswendig können.

 

Lied/Musik/anderer künstlerischer Beitrag

Das ist der Moment vor Eurem großen Moment. Was hier kommt, sollte die Aufmerksamkeit auf Euch und Eure Liebe lenken. Das kann „Euer Lied“ sein oder ein Beitrag, der besonders für Euch beide steht, mit Eurem Trauspruch zu hat, um Gottes Segen für Euch oder alle Liebenden bittet oder den Ihr einfach besonders mögt.

 

Pastorin (gern auch Freunde und Verwandte des Paares): Traulesungen

Jetzt kommen klassische Bibeltexte zu Liebe und Ehe. Sie können von mehreren Personen vorgetragen werden. Wenn Ihr möchtet, könnt Ihr Freunde oder Verwandte darum bitten. Bestimmt kennt Ihr jemanden der/die es als besondere Ehre empfinden wird, wenn Ihr sie/ihn fragt.

 

(Pastorin und) Eheleute: Trauversprechen

Ich bitte Euch nach vorne. Dann bezeugt Ihr, dass Euer/Eure Ehepartner/in Euch geschenkt und anvertraut ist und dass Ihr Eure Ehe in gegenseitiger Verantwortung für dieses göttliche Geschenk führen wollt. Das kann in Form von persönlichen Erklärungen oder als Antwort auf Traufragen  geschehen, die ich Euch gemeinsam oder nacheinander stelle. Vor Eurer Trauung können wir gern über mögliche Formen und Formulierungen sprechen.

 

(Pastorin und) Eheleute: Ringübergabe

Bestimmt habt Ihr jemandem dem/der Ihr Eure Trauringe anvertrauen möchtet. Wenn Ihr mir vorher den Namen dieser Person verratet, bitte ich ihn/sie jetzt nach vorne. Sie/er überreicht Euch die Ringe, damit ihr sie gegenseitig anstecken könnt. Das ist eine schöne Aufgabe für Trauzeug:innen oder Eure Kinder, wenn Ihr welche habt.

 

(Pastorin und) Eheleute: Händereichen und Trauvotum

Ihr reicht Euch die Hand. Ich lege meine Hand auf Eure verbundenen Hände und spreche das Trauvotum, eine Art feierlicher Erklärung, dass Ihr Euch im Angesicht Gottes und Eurer Lieben füreinander entschieden habt und er Eure Verbindung segnen möge.

 

Liedstrophe

oder ein kurzes Musikstück, das den feierlichen Moment unterstreicht. Das sollte nicht zu lang sein, weil wir alle noch „vorne“ stehen und es danach auch dort weitergeht. Wenn Ihr hier etwas mit Bewegung machen möchtet, solltet Ihr am Ende wieder zu mir nach vorne kommen.

 

Pastorin (und gern auch Eure Freunde oder Verwandten): Segensgebet

Ich spreche ein Segensgebet für Euch. An diesem Gebet können sich Eure Freunde oder Verwandten beteiligen. Wenn sie nicht selbst formulieren möchten, kann ich ihnen schöne Formulierungen für dieses Gebet vorschlagen.

 

Pastorin (und gern auch Eure Freunde oder Verwandten): Segnung

Ich lege meine Hände auf Eure Köpfe und segne Euch. Wenn Ihr wollt, könnt Ihr dabei niederknien, müsst es aber nicht. Auch hier können Eure Freunde oder Verwandten mitmachen. Dafür kommen sie nach vorn und bilden einen Halbkreis um Euch – oder bleiben gleich da, wenn sie schon beim Segensgebet vorne waren. Meine Erfahrung: Es fühlt sich toll an, wenn möglichst viele liebe Menschen dabei sind! Sprecht das bitte mit mir ab, damit ich dafür sorgen kann, dass wir genügend Platz haben und es kein unschönes Gedrängel gibt.

 

Pastorin: Übergabe eines Traugeschenkes und der Trauurkunde

Jetzt bekommt Ihr Eure Trauurkunde und ein Traugeschenk, das Euch an diesen schönen Moment erinnern soll. Das kann eine Traubibel oder etwas anderes sein. Wenn jemand von Euren Lieben Euch eine Traukerze machen will, kann er oder sie sie jetzt überreichen. Alle anderen Geschenke sollten besser im Rahmen Eurer Party überreicht werden.

 

Lied/Musik/anderer künstlerischer Beitrag

Jetzt ist der Moment nach dem großen Augenblick. Hier passt alles – außer Trauermärschen vielleicht. Als nächstes kommen die Fürbitten. Was wir hier singen oder beitragen, kann ein Nachklang auf die Trauung oder ein Vorspiel für unsere Anliegen im Gebet sein, z.B. gute Wünsche für Eure Zukunft, die Hoffnung auf eine gesegnete, friedliche Welt oder etwas ganz anderes.

 

[ggf. Abendmahl]

 

[ggf. Taufe eines Kindes des Ehepaares]

 

Pastorin: Bekanntmachungen

Kürzere Mittelungen, z.B. zur Verwendung der Kollekte oder zu organisatorischen Dingen für die Feier oder auch Dinge, die die ganze Traugemeinde betreffen.

 

Pastorin  (und gern auch Eure Freunde oder Verwandten): Fürbittengebet

Die Fürbitten sind das klassische Gebet der Gemeinde. Hier kann, muss aber nicht, alles zur Sprache kommen, das den Anwesenden irgendwie wichtig ist. Gern könnt Ihr und Eure Lieben die Gebetsbitten mir mit vortragen. Nach jeder Bitte kommt ein kurzer Gesang oder die gesprochene Formel „Wir bitten: Herr erbarme Dich.“ Thema kann dabei alles sein: Natürlich Ihr, Eure Familie, Freunde und Menschen oder Anliegen, die Euch und Euren Lieben wichtig sind oder Menschen, die heute nicht dabei sein können. Wir können auch um Segen und Beistand für anstehende Prüfungen/Projekte bitten, für alle, die krank oder einsam sind, oder denen es nicht gut – oder gerade besonders gut – geht, für eine Versöhnung von Menschen, Tieren und Umwelt, dass schlimme Dinge enden oder gute gedeihen sollen oder für den Weltfrieden und eine gesegnete Zukunft im Allgemeinen. Wenn jemand mitbeten, aber nicht selbst formulieren möchte, helfe ich gern, gute Worte zu finden. Und auch andersherum: Wer gern formuliert, aber nicht gern vorn stehen möchte, kann mir seine/ihre Fürbitte geben. Dann trage ich sie vor.

 

Pastorin und Gemeinde: Vater Unser

Alle Anwesenden stehen auf und beten mit mir das Vater Unser. Hier ist es wie beim Glaubensbekenntnis: Wer nicht mitbeten möchte, muss das natürlich nicht. Das Aufstehen ist aber ein schönes Signal des Respekts vor dem Glauben der anderen. Der Text des Vater Unser sollte auf Eurem Faltblatt stehen, weil ihn wahrscheinlich nicht alle Anwesenden auswendig können.

 

Lied oder Musik

Jetzt sind wir beim Endspurt in Richtung Segen. Klassischerweise wir hier ein Lied gesungen, das alle gut mitsingen können und mit dem die Gemeinde um Gottes Segen bittet. Für Eure Trauung kann es auch etwas sein, das Gedanken und Gefühle aus der Feier aufnimmt, Euer Gemeinschaftsgefühl stärkt oder schon in Richtung Party weist. Wenn es einen spannenden Text oder eine eingängige Melodie hat, wird es wahrscheinlich noch eine Weile nach dem Gottesdienst in unseren Köpfen sein.

 

Pastorin: Segen

Alle stehen auf. Ich spreche die Segensworte für die Gemeinde. Das ist für viele Menschen, die öfter in den Gottesdienst gehen, ein besonders schöner und ganz persönlicher Moment mit ihrem Gott.

 

Alle: Musik und gemeinsamer Auszug aus der Kirche

Der letzte Akt beim Gottesdienst ist Musik. Egal ob feierlich, pompös, Party, Rock oder Samba – Das Musikstück darf gern richtig Stimmung machen. Zu dieser Musik ziehen wir gemeinsam aus dem Kirchenraum aus. Ich gehe voran, dann kommt Ihr, Eure Trauzeug:innen und alle, die am Gottesdienst mitgewirkt haben und am Ende überhaupt alle. Wenn Ihr möchtet, können wir dabei auch tanzen, klatschen oder singen.

 

Alle: Kollekte

Am Ausgang befindet sich eine Sammelschale für die Kollekte. Ihr könnt auch jemanden von den Gästen bitten, am Ausgang die Schale zu halten und die Kollekte zu sammeln. Es macht sich sehr schön, wenn da jemand ist, der uns nett anschaut oder freundlich „Danke“ sagt, wenn wir unsere Spenden geben.

 

Wenn es nach der Trauung am selben Ort weitergehen soll, können wir statt des Auszugs auch ein anderes Bewegungsritual machen. Es dient als Übergang zwischen der feierlichen Atmosphäre im Gottesdienst zur lockeren Stimmung bei der Party. Eine gute Option dafür ist, nach dem Gottesdienst gemeinsam mit Sekt oder etwas anderem anzustoßen. Außerdem werden Eure Freunde und Verwandten Euch gratulieren wollen – und ich natürlich auch.