Eine Spurensuche von Gregor Klein
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Während der Zeit des Nationalsozialsozialismus, sind im Deutschen Reich unzählige Verbrechen an der eigenen Bevölkerung und an anderen Kulturen oder Ländern begannen worden, beispielsweise der Holocaust oder die Euthanasie. Die beiden größten Konfessionen im Deutschen Reich, die Protestantische und die Katholische Kirche wussten zum Teil davon. Und trotz ihres christlichen Glaubens, der sich nicht mit der nationalsozialistischen Politik und Ideologie vereinbaren lässt, haben sie wenig gegen den Nationalsozialismus und die verübten Verbrechen unternommen. Wie kann das sein?
Vergleich zwischen der katholischen und der evangelischen Kirche
Ab der Machübernahme der Nationalsozialisten 1933, begann die sogenannte Gleichschaltung, in allen öffentlichen und sozialen Bereichen. Diese Gleichschaltung, also die systematische Verstaatlichung aller Bereiche aus dem öffentlichen Leben mit der nationalsozialistischen Ideologie betraf auch die beiden großen Konfessionen (Protestantismus und Katholizismus) im Deutschen Reich. So wurden beide Konfessionen soweit gleichgeschaltet, als dass der Staat sie kontrollieren konnte.
Anfangs sympathisierten vor allem Protestanten mit dem neuen Hitler-Regime, da ihnen Ideologien wie Antikommunismus und Antiliberalismus zusagten. Zudem gefiel den Katholiken die Idee einer Volksgemeinschaft (also einer homogenen Masse an Deutschen, die der nationalsozialistischen Ideologie entsprachen und diese auslebten). Auch die diktatorische Regierungsform wurde von beiden Konfessionen positiv aufgenommen. Zudem befürworteten beide die Revision des Versailler-Vertrages, die dem Deutschen Reich wieder zu alter Stärke verhalf. Und da der Versailler-Vertrag allgemein als ungerechter „Schandvertrag“ angesehen wurde. [1]
Jedoch gab es für Katholiken sowie für Protestanten einige unvermeidbare und untragbare Forderungen, die durch die nationalsozialistische Ideologie, und durch den Regierungswechsel aufkamen. So heißt es im Alten Testament: Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben. (5. Mose 6,5: „du sollst den Herrn, deinen Gott lieben, von ganzem Herzen, mit aller deiner Kraft, und mit deinem ganzen denken“) .Die nationalsozialistische Ideologie hingegen sagt, du sollst Adolf Hitler lieben und du sollst ihn gleichsam wie einen Gott verehren. Diese beiden Ansichten oder Ideologien, sind meiner Meinung nach in beidseitiger Auslebung und Legitimierung untragbar.
Rolle der evangelischen Kirche
Schon im Sommer 1932 gründeten sich die Deutschen Christen (DC). Sie bezogen sich auf die im Parteiprogramm der NSDAP stehenden positiven Aspekte, mit denen die Nationalsozialisten versuchten die Christen für sich zu gewinnen. Im Jahr 1933 wurde der Nationalsozialist Ludwig Müller zum neuen Reichsbischof der DC gewählt, damit war die Kirche nicht mehr Unabhängig von der Regierung. Müller sorgte beispielsweise dafür, dass sich die kirchlichen Verbände der Hitlerjugend unterordnen mussten. Zudem vollzog er die Einführung des sogenannten Führerprinzips auch in der Kirche, was bedeutet, dass Adolf Hitler fortan in der Kirche höhergestellt war als Jesus Christus. Im Spätsommer 1933 wurde der sogenannte Arierparagraph auch für kirchliche Bedienstete eingeführt. Dieser Paragraph verbot den Einsatz jüdischer Menschen in der Berufswelt, und diskriminierte sie öffentlich. Im September 1933 wurde der Pfarrernotbund gegründet, der sich als Gegenbewegung zu den Deutschen Christen und der Reichskirche verstand. Die Gründung des Pfarrernotbundes ist auf der einen Seite durch die Annahme der DC zu verstehen, dass sie das Alte Testament als jüdisch bezeichneten. Auf der anderen Seite ist dies durch die radikale Vorgehensweise der Nationalsozialisten, nach dem Regierungswechsel 1933 zu erklären. Ab diesem Zeitpunkt wurden auch sogenannte Reichsfeinde wie z.B : Juden, Sinti und Roma, Kommunisten, Regimegegner, oder Homosexuelle von den Nationalsozialisten öffentlich diskriminiert und verhaftet. In der Barmer Theologischen Erklärung von 1934 sprachen sich die Mitglieder des Notbundes gegen die rassistische und menschenverachtende Vorgehensweise der Nationalsozialisten aus. [4]
Rolle der katholischen Kirche
- Papst Pius XII, wie er grade das Konkordat zwischen dem Deutschen Reich und dem Vatikan in Rom unterzeichnet

In den Jahren vor dem Regierungswechsel (1930-1933), galt die katholische Kirche noch als Kritiker des Nationalsozialismus und der NSDAP. Nicht zuletzt wegen des Kulturkampfes in der Kaiserzeit, in dem Otto von Bismarck versuchte, den Einfluss der katholischen Parteien in der Regierung einzudämmen. Nachdem Hitler sich jedoch mehrmals kirchenfreundlich äußerte, und in der Regierungserklärung von 1933 die Kirche sogar als „wichtigsten Faktor zur Erhaltung unseres Volkstums“ rühmte, änderte sich die Einstellung der Katholiken zu dem Hitler-Regime. Aufgrund des Ermächtigungsgesetzes vom 24. März 1933, wodurch die Regierung ohne Zustimmung des Parlaments Gesetze ändern konnte, war sämtlicher Rechtsschutz den die Katholiken bis dahin genossen zunichte gemacht worden. Das Deutsche Reich schloss daraufhin ein Konkordat (Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und dem Vatikan). Das Konkordat wurde 1933 in Rom von Vertretern der Deutschen Reichsregierung unterzeichnet. Es sicherte den Katholiken die Freiheit, zur Verbreitung katholischer Schriften zu. Es schloss jedoch die Mitgliedschaft zum politischen Aktivismus, von Geistlichen oder Pfarrern aus. In den folgenden Jahren der nationalsozialistischen Terrorherrschaft (1933-1939 bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges), wurden viele Geistliche, die sich nicht Regime treu verhielten, trotz des Konkordates verfolgt und inhaftiert. [3] [4]
Rolle der Kirche während der NS Kriegsverbrechen und der Rassenpolitik
- Propagandabild, ein „Arier“ trägt die Last von zwei behinderten Menschen auf den Schultern
Schon ab 1933 begannen die Diskriminierungen gegen die sogenannten „Reichsfeinde“ auszuarten. 1935 wurde den Juden durch die Nürnberger-Rassengesetze einige Bürgerrechte, und die Auslebung ihrer Sexualität rechtlich aberkannt. Juden waren ab diesem Zeitpunkt Bürger mit minderem Recht. Zu diesen und weiteren menschenverachtenden politischen Schritten schwieg die Kirche, und tat nichts um dies zu verhindern. So auch während der Novemberprogrome 1938, in der die SA viele Synagogen und jüdische Geschäfte anzündete, und Juden verschleppte oder ermordete. [2]
Seit Beginn des zweiten Weltkrieges kam es im deutschen Reich aufgrund des Rassenwahns, zu Euthanasie Aktionen, also zu geplanten Tötungen von behinderten Menschen. Die nationalsozialistische Ideologie duldete diese Menschen nicht, da sie nicht ins Bild des starken und arbeitenden Deutschen passten. Zudem konnten viele der behinderten Menschen nichts in der Wirtschaft oder im Militär leisten. In den Augen der Nationalsozialisten waren sie dadurch unnötige Lasten, die man los werden wollte. Im August 1941 kritisierte der katholische Bischof Clemens August Graf von Galen das Morden von Behinderten scharf. In seiner Predigt vom 3. August 1941 sagte er: „wenn man den Grundsatz aufstellt und anwendet, dass man den unproduktiven Mitmenschen töten darf, dann wehe uns allen, wenn wir alt und altersschwach werden. Dann ist keiner von uns seines Lebens mehr sicher.“ Aufgrund seiner Predigt kam es in der Gesellschaft zu Protesten, schließlich fanden die Mordaktionen am 24. August 1941 ihr Ende, wurden in den folgenden Jahren bis Kriegsende 1945 jedoch noch weiterhin heimlich durchgeführt. Dies lag daran, dass es kein Gesetz gab, welches das Töten von behinderten Menschen verbot, es war lediglich öffentlich verpönt. Im Zuge des Holocausts blieben, sehr viele der Geistlichen still. [2] [6]
Dietrich Bonhoeffer

Aus der Kirche gab es aber auch öffentlichen Protest gegen die Nationalsozialisten. Einer der bekanntesten Akteure war der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer, schon 1934 sprach sich Bonhoeffer, im Zuge der Barmer Theologischen Erklärung öffentlich gegen das nationalsozialistische Regime aus. 1933 veröffentlichte er die Denkschrift „Die Kirche vor der Judenfrage“, und verlangte darin nicht nur den Opfern der nationalsozialistischen Gewalt zu helfen, sondern auch aktiv Widerstand zu leisten- „dem Rad selbst in die Speichen fallen“, aus: „Die Kirche vor der Judenfrage“ erstmals veröffentlicht 1933. Bonhoeffer war es auch der zusammen mit Martin Niemöller und anderen Mitstreitern, 1934 den Pfarrernotbund gründete. Aus diesem entstand wenig später die bekennende Kirche. Der Notbund verstand sich als Gegenstück zu den Deutschen Christen (DC), die deutlich zu den Nationalsozialisten standen. Schon 1933 warnte Bonhoeffer vor Hitler. Aufgrund seiner kritischen Haltung gegenüber der nationalsozialistischen Politik, wurde ihm 1936 die Lehrerlaubnis an den Hochschulen entzogen. 1940 erhielt er zudem Rede und Schreibverbot. 1944 wird Bonhoeffer verhaftet. Aufgrund seiner Beteiligung an der Widerstandsgruppe, die für das gescheiterte Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 verantwortlich waren, wird Bonhoeffer zusammen mit seinen Mitstreitern zum Tode verurteilt, und im KZ Flossenbürg hingerichtet. Erst 1996 wird das Todesurteil gegen Bonhoeffer für rechtswidrig erklärt, und Bonhoeffer und seine Mitstreiter werden rehabilitiert. [4]
Schlussbemerkung
Grundlegend finde ich, dass sich die Rolle der beiden größten Konfessionen im Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus eher kritisch betrachten. Trotz ihrer anfänglichen Kritik gegenüber dem Hitler-Regime, unternahmen die Katholiken wenig bis gar nichts, um einem zentralen Gebot der Kirche (der Nächstenliebe) gerecht zu werden. Die wichtigsten Gebote des Christentums haben die Nationalsozialisten während ihrer Terrorherrschaft millionenfach mit Füßen getreten. Und beide Konfessionen haben diese Verbrechen weitgehend geduldet, und nicht versucht sie zu mindern oder zu verhindern. Dies lag einerseits an der erfolgreichen Propaganda im dritten Reich, die sämtliche nicht ideologisch-passende Randgruppen entmenschlichte und diskriminierte. Und außerdem dafür sorgte, dass viele Menschen, die im Deutschen Reich lebten sich selber als Übermenschen ansahen, und andere Völker oder Randgruppen diskriminierten und ausschlossen. Andererseits lag dies aber auch an der Bereitwilligkeit der Christen, die nationalsozialistischen Verbrechen weitgehend zu dulden und sie zu ignorieren. Zu diesem Punkt lässt sich jedoch sagen, dass viele der Verbrechen wie z. B. Euthanasie Aktionen oder Massenexekutionen, nicht öffentlich gemacht wurden. Sie wurden insgeheim bzw. so durchgeführt, dass nur wenige davon mitbekamen. Die Aufarbeitung von Verbrechen im dritten Reich läuft ja teilweise heute noch.
Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges in Europa und der Deutschen Kapitulation, bekannten sich die Katholiken in einer Hirtenschrift mitschuldig, für zwölf Jahre nationalsozialistischen Terror.
Die Evangelische Kirche veröffentlichte kurz danach die sogenannte “Stuttgarter Schuldbekenntnis“. In der sie sich, genau wie die Katholiken für die Mitschuld an Verbrechen im Nationalsozialismus bekennen. [5]
Quellen
[2] https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/innenpolitik/kirchen-im-ns-regime.html
[5] https://www.hdg.de/lemo/bestand/objekt/dokument-stuttgarter- schuldbekenntnis.html
[6] https://www.katholisch.de/artikel/30544-vor-80-jahren-bischof-von-galen-predigt-gegen-euthanasie
