In Deutschland ist es heute legal für gleichgeschlechtliche Paare zu heiraten. Es gibt einige Minister*innen und Oberbürgermeister*innen, die sich öffentlich als schwul oder lesbisch bekennen. Eine städtische Koordinierungsstelle in Essen setzt sich seit einigen Jahren für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt, Akzeptanz und Gleichstellung ein. Dieser Erfolg war das Ergebnis eines langen Kampfes von lesbischen und schwulen Initiativen in Essen, im Ruhrgebiet und im ganzen Land. Eine Ausstellung, die von Wolfgang D. Berude, einem der Mitbegründer des Forums Essener Lesben und Schwule (F.E.L.S.), initiiert wurde, wird die Geschichte der Emanzipation lesbischer und schwuler Menschen seit Beginn des 20. Jahrhunderts darstellen.
Die Ausstellung wird auch die Verfolgung von Homosexuellen im Nationalsozialismus thematisieren, als Männer aus Essen und Umgebung verhaftet und in Konzentrationslagern interniert wurden. Obwohl Sex zwischen Männern nach 1945 weiterhin strafbar blieb, wurde der § 175 erst im Jahr 1969 liberalisiert und 1994 ganz aus dem Strafgesetzbuch gestrichen. Viele homosexuelle Männer und Frauen haben Mut bewiesen, um gegen homophobe Stimmungen in der Gesellschaft, gegen traditionell-bürgerliche Rollenbilder und gegen das Strafgesetz zu kämpfen. Einige haben sich für individuelle Lebensentwürfe entschieden, während andere gemeinsam und öffentlich aufgetreten sind.
Eine eigene Installation wird die Situation lesbischer Frauen in den 1950er- und 60er-Jahren thematisieren, die besonders unter der Rollenzuweisung als Ehefrau und Mutter litten. Oft wurden Tarn- und heterosexuelle Scheinehen zwischen Schwulen und Lesben geschlossen, um sich gesellschaftlicher Diskriminierung zu entziehen. Das ehrenamtliche Projektteam, das die Ausstellung gemeinsam mit dem Kurator Stefan Nies und dem Initiator Wolfgang D. Berude erarbeitet hat, umfasst eine Reihe von Expert*innen und Aktivist*innen aus verschiedenen Bereichen, die sich für die Rechte von LGBTQ+-Menschen einsetzen. [1]
Die Ausstellung ist aktuell noch bis zum 18.04 bei uns im Saal der Brücke zu besuchen. Zum Abschluss findet an diesen Tag um 18:30 Uhr ein Feierabend zur Ausstellung „Come out Essen“ statt. Im Rahmen der ESG-Dienstage findet eine Führung durch die Ausstellung mit spannenden Beiträgen statt, bevor sie ihren Standort wechselt.
Wir als ESG freuen uns sehr darüber, einen der Standorte für diese Ausstellung bereitgestellt zu haben und danken gleichzeitige allen Initiator*innen für ihren wichtigen Beitrag.
Quellen:
[1] https://www.essen.de/meldungen/pressemeldung_1388992.de.html
